"Dein Besuch hat uns gutgetan. Und jetzt übe ich mich in Geduld, was die nächste Zeit so bringt. Heute waren wir beide jedenfalls sehr gelassen und leise." J.Z.


Fragen von Hundehaltern


Arbeitest Du bei den Intensiv-Coachings gewaltfrei mit meinem Hund?


Ich gehe bei meiner Arbeit auf Deine und die Energie des Hundes ein und passe das Coaching individuell an Euer Mensch-Hund-Team an. Ich nehme die natürliche Sprache der Hunde zur Hilfe und beginne eine Kommunikation, die unabhängig von Futterkonditionierung, Kommandos oder gar Gewalteinwirkung ist. Ich benötige keine Strom-, Sprüh- oder Stachelhalsbänder, verzichte auf Reißen an der Leine, Schreckreize durch Wasser, etc. Ich setze klare Orientierungspunkte mit meinem Körper, meinen Blicken und meiner inneren Haltung.

Darf ich dann gar nicht mehr mit einem Spielzeug spielen, mit dem Hund reden oder meinem Hund einen Snack zustecken?


Wir arbeiten zwar ohne Futter-Konditionierung und körpersprachlich orientiert aber natürlich darfst Du im Alltag mit Deinem Hund reden, mit ihm spielen oder ihm auch Köstlichkeiten zustecken. Das ist normal und sogar gewünscht. Es kommt dabei immer darauf an, aus welchem Antrieb heraus es gemacht wird und was Du Dir und was der Hund sich davon verspricht bzw. in welchen Situationen es eingesetzt wird. Wenn sich Deine Schwiegermama eigentlich auch eine Bindung zu Deinem Hund wünscht und sie diese durch Leckerli "erkaufen" möchte, wird das nicht von Erfolg gekrönt sein. Wenn Sie stattdessen eine spielerische Ressourcen-Verwaltungsübung macht und Sie sich dabei Achtsamkeit und Respekt erarbeitet, wird der Hund beginnen, sie aus einem interessierten Blickwinkel zu sehen und ihre Nähe suchen.

Spielst Du mit dem Hund mit einem Spielzeug und er rennt damit davon und bunkert es in seinem Bett, wird das Spiel für beide von Euch entweder frustrierend oder selbstbelohnend empfunden werden aber ohne gemeinsame Aktion bleiben. Nutzt Du das Spielzeug stattdessen, um mit ihm eine Übung zur Impulskontrolle zu machen und danach ein lustiges Zerrspiel machst, bei dem Du auf seine Energie achtest, dann verbindet Ihr beide das angenehme Gefühl der Teamarbeit und Erfolg mit anschließendem Spaß und gemeinsamer Entspannung.

Und ganz ehrlich: Jeder erzählt seinem Hund auch manchmal einen Auszug aus seinem Menschenalltag oder säuselt ihm ins Liebheiten ins Ohr, wenn er sich genussvoll schmatzend zu uns auf die Couch kuschelt. In Momenten der Gefahr oder Stress werden wir aber klar und still werden und eine enge mentale Bindung halten, die Mensch und Hund zu einem starken Team anstatt jeden zu einem Einzelkämpfer macht.

Ab welchem Alter kann ich beginnen mit meinem Hund nach der Pouzar-Philosophie zu arbeiten?


Du kannst sofort beginnen, sobald Dein Hund bei Dir angekommen ist, egal ob es ein Welpe oder eine Hunde-Oma ist. Sobald der Hund an einem normalen Spaziergang teilnehmen kann, beginnst Du ihm zu zeigen, was für ihn möglich ist, wie groß sein Radius ist und was gefährlich ist. Übungen zur Impulskontrolle, Ressourcenverwaltung, Ruheübungen oder Übungen zur Leinenführung lassen sich in Euren täglichen Alltag problemlos einbauen. Wichtig dabei ist, dass Du Deinen Hund schützt, nicht überforderst, faire Grenzen setzt und ihm damit Orientierung gibst. Der Hund wird sich rasch auf Dich einstellen und bei Dir mit Blicken nachfragen, was Du als Nächstes planst, in welche Richtung ihr gehen sollt oder ob das ok ist, was er macht. Wichtig ist, dass Du diese Blicke auch bemerkst, erwiderst und ihm dann einen Handlungsschritt vorgibst. Im Freilauf wäre das zum Beispiel ein Lächeln und eine Körperbewegung, die die Richtung vorgibt, wenn er Dir einen Orientierungs-Blick zuwirft.

Wieviel Zeit muss ich für die täglichen Übungen einplanen?


Innerhalb der Module eines Intensiv-Coachings arbeitest du pro Tag mindestens 10 bis 15 Minuten aktiv mit deinem Hund. Diese Übungszeit kannst Du ganz einfach in den normalen Alltag und in Deinen Spaziergang einbauen. Hast du einmal einen schlechten oder stressigen Tag, dann lass die Übungen einfach aus und mache sie am nächsten Tag. Du wirst viel Spaß an der neuen Beschäftigung mit Deinem Hund haben und nach und nach die neue Beziehung und eine tiefe Verbundenheit zu Deinem Hund spüren.

Warum lernen wir hündisch und nicht der Hund "menschisch"?


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Im Bild sieht man den Hund stark beschwichtigen, indem er sich über den Fang leckt. In dem Fall sollte man dem Hund mehr Raum geben.

Ein Hund, der weiß, dass du auf ihn eingehst, seine Sprache lesen kannst und damit auch andere Hunde richtig verstehst, wird sich im Alltag auch besser an deinen Entscheidungen orientieren. Zudem verändern wir mit dem Erlernen seiner Sprache die Haltung und Sichtweise zum Hund und können so seine Bedürfnisse rasch erkennen. Die Mimik bzw. Gestik der Hunde ist sehr fein und schnell. Je geschulter wir sind, desto leichter erkennen wir, was unser Hund denkt und braucht. Hunde können bereits "menschisch", denn sie beobachten uns viele Stunden pro Tag. In den meisten Fällen ist es so, dass unsere Hunde die menschliche Körpersprache besser interpretieren können als der Hundehalter die hündische Körpersprache.

Mein Hund gähnt, dreht sich weg oder leckt sich den Fang. Was bedeutet das eigentlich? Und wie reagiere ich darauf?


Hast Du schon einmal beobachtet, dass Dein Hund Folgendes während oder nach einer Hundebegegnung oder in Menschenkontakt macht? Schlecken der Nase/Züngeln, Blinzeln/Zusammenkneifen der Augen, den Kopf zur Seite drehen, gähnen, sich abwenden oder sich mit dem Rücken zum Hund oder Menschen stellen, Verlangsamung von Bewegungen, sich ruhig hinsetzen oder hinlegen, am Boden schnüffeln, Vorderkörper-Tiefstellung, einen Bogen laufen, die Pfote heben, Splitten, pinkeln, ...?

 

Diese Signale sind das beste Zeichen dafür, dass Dein Hund mit Dir bzw. anderen Hunden körpersprachlich und (höflich) kommuniziert. Er will Dir oder seiner Umwelt etwas sagen. Bei dieser Gestik und Mimik (viele davon nennt man Beschwichtigungssignale/Calming Signals) geht es darum, Konflikte zu vermeiden und zu entschärfen, Spannungen abzubauen oder sich selbst oder andere zu beruhigen.

Sie sind gleichermaßen Stimmungsbarometer, Friedensstifter, Mittel der höflichen Kommunikation, dienen zum Abbau von inneren Spannungen und können auch als Warnsignale für sich anbahnende Konflikte erkannt werden. Die norwegische Hunde-Expertin und Trainerin Turid Rugaas hat bei Wölfen und Hunden eine Vielzahl verschiedener Beschwichtigungssignale (oder auch: „Calming Signals“) erforscht, aufgezeichnet und identifiziert.

Am besten geht man damit um, indem man lernt, sie zu verstehen und in Zusammenhang zu stellen. Dein Hund wird sogar verstehen und spiegeln, wenn Du einige davon selbst anwendest (gähnen, über die Lippen lecken, Blick abwenden, ...). 

Ein Hund, der bereits Beschwichtigungssignale zeigt (insbesondere, wenn er erstarrt) sollte auf keinen Fall weiter bedrängt werden. Fehlt die Möglichkeit zur Flucht, ist Angriff für ihn manchmal die einzige Alternative. Besser ist hier das Unterlassen des für den Hund unangenehmen Verhaltens. Situationen, in denen Hunde sich bedrängt fühlen können, sind u. a. zu rasche Annäherung eines Hundes oder Menschen, herabbeugen von oben, anstarren, umarmen, hochheben usw.

Nicht jedes Beschwichtigungssignal löst aber gleich großen Handlungsbedarf aus. Gibt es aber Situationen, in denen Dein Hund im Umgang mit Dir oder mit anderen Menschen häufig und deutlich Beschwichtigungssignale anwendet, dann werde aktiv. Dein Hund teilt seiner Umwelt mit, ab wann ihm etwas unbehaglich ist und was ihn beunruhigt. Wer auf Beschwichtigungssignale achtet und seinem Hund aus beunruhigenden Situationen heraus hilft, kann vielen Problemen vorbeugen und vertieft damit die Bindung. Beißvorfälle, die vermeintlich „ohne Vorwarnung“ und „aus heiterem Himmel“ geschehen, haben häufig eine klassische Vorgeschichte – und sind meistens vermeidbar. Achte mal in den "süßen" Youtube-Hundevideos darauf, wann ein Hund diese Beschwichtigungssignale zeigt. Mit der Zeit wirst Du erkennen, dass sich viele Hunde in den Videos unwohl fühlen, weil der Mensch oder die Kamera zu nah und zu bedrohlich ist.

Gerne erkläre ich Dir die Beschwichtigungssignale Deines Hundes und den Umgang damit in Deinem Intensiv-Coaching.

In diesem Video sieht man, dass die Hunde bei der unangemessenen Annäherung der Kinder sehr tolerant sind aber teilweise starke Calming Signals zeigen, in der Hoffnung einen Konflikt zu vermeiden. Kinder verstehen aber nicht, dass sie bei diesen Anzeichen der Bitte um Abstandsvergrößerung nachkommen müssen. Die Eltern dieser Kinder agieren extrem unverantwortlich.

Wie helfen mir Gestik, Mimik und Beschwichtigungssignale im Alltag?


Begegne und beruhige Deinen Hund, indem Du nicht forsch und geradlinig auf ihn zugehst und ihm nicht direkt in die Augen schaust. Dreh Dich in der freundlichen Begegnung stattdessen etwas zur Seite, lege den Blick zwischen seine Ohren, lecke Dir eventuell sogar über die Lippen – und der Hund wird sich gleich besser fühlen.
Hilf Deinem Hund, wenn er sich nur ungern Halsband oder Geschirr anziehen lassen möchte, indem Du diese Dinge mit Höflichkeit verknüpfst, dich also nicht direkt über ihn beugst, lieber hinhockst, etwas seitlich drehst, Euch dabei Zeit lasst um zur Ruhe zu kommen.

Einem Hund, der beim Spazierengehen ein Problem mit anderen Hunden hat, erleichterst Du die Begegnung mit Artgenossen, indem Ihr gemeinsam an lockerer Leine einen kleinen ausweichenden Bogen geht. Dein Hund kann damit höflich die Distanz einhalten, die er zu anderen Hunden braucht, und der andere Hund wird dieses Signal verstehen. Er wird seinerseits mit höflichen Beschwichtigungssignalen antworten, was die Situation weiter entspannt.

Wenn Du Deinen Hund an der abgewandten Seite führst, erleichterst Du das die Begegnung. Lass Deinen Hund nicht fixieren und gibt Deinem Hund durch Deine Körperhaltung und Blickführung Sicherheit und Schutz.

Gehe mit zwei angeleinten Hunden, die zunächst Probleme miteinander haben, parallel mit etwas Abstand dazwischen spazieren. Dabei werden beide an der abgewandten Seite geführt. Das hilft ihnen, sich zu entspannen.

Warum arbeitest Du ohne Leckerli?


Ich will, dass sich dein Hund an dir orientiert, unabhängig von der Erwartung eines kleinen Futterstücks oder eines Spielzeugs. Auch Hunde mit einem Ressourcen-Thema reagieren oft unangenehmer auf die Umgebung, wenn der Halter Leckerli eingesteckt hat. Durch das Futter wird der Hund von der eigentlichen Kommunikation abgelenkt und stark hochgefahren. Ohne Leckerli können wir den Fokus auf die wesentlichen Dinge lenken und Ruhe in den Hund bringen. Erst durch Ruhe kann echte Kommunikation, Lernen und Orientierung stattfinden. Der Hund kann Dich somit als Sicherheitsperson wahrnehmen, die ihn durch diese reizstarke Welt führt. Die Entspannung im gemeinsamen Alltag ist die wahre Belohnung für Dich und Deinen Begleiter.

Die reine Reduktion auf Lernen durch Futter-Verstärkung wird dem Hund in seiner Gabe hochsozial zu kommunizieren überhaupt nicht gerecht. Der Hund wird durch das Leckerli zu einer Art lebender Maschine, die nur funktioniert wenn man eine Münze einwirft. Die Gabe von Leckerchen stellt in vielen Fällen eher eine Selbstbelohnung für den Menschen dar. Es stellt nicht nur eine Droge (mit oft fraglichen Inhaltsstoffen) für den Hund dar sondern macht auch den Hundehalter abhängig.
Bei speziellen Übungen verwenden wir Leckerli bzw., um Raum- oder Ressourcenverwaltung zu demonstrieren und eine Grundachtsamkeit zu erarbeiten. Dabei wird aber nicht konditioniert oder ein Verhalten verstärkt. Das Leckerli/fliegendes Spielzeug dient hier lediglich als Platzhalter für einen Aussenreiz/Bewegungsreiz (zB. Giftköder, Jogger, ...).

Bei unserem Coaching zeige ich Dir spezielle Übungen, die im Endeffekt verhindern können, dass Dein Hund einem Jogger nachjagt, einfach zu fremden Hunden hinläuft oder einen Giftköder aufnimmt.

Was bedeutet "Energie" in der Arbeit mit meinem Hund?


Wir Tiercoaches nach Dieter Pouzar bezeichnen als Energie die innere Haltung, die spürbar als Souveränität und Gelassenheit nach aussen strahlt. Beispiel: Sie sitzen in einem Wartezimmer und ein Mensch betritt den Raum. Sie werden sofort den Unterschied spüren, ob ein Mensch unsicher, hektisch oder unter Druck ist oder aber eine souveräne, freundliche und gelassene Ausstrahlung hat. Das ist genau die Ausstrahlung und Energie, mit der wir arbeiten. Wir sind dem Hund gegenüber freundlich und gelassen gestimmt aber vertreten souverän klare, faire Entscheidungen, damit er sich an uns freiwillig orientieren kann und uns als seine Sicherheitsperson wahrnehmen kann. Das Ziel ist es authentisch zu bleiben. Man kann ruhig mal hilflos, grantig oder traurig sein, sollte sich selbst aber auch wieder rasch stabilisieren können. Ein wesentlicher Punkt in unserer gemeinsamen Arbeit wird sein, die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit in positive Erfahrungen im Jetzt zu ersetzen, damit du den Alltag mit deinem Hund wieder unbeschwert erleben kannst.

In meinem Intensiv-Coaching zeige ich Dir, wie Du rasch Deine innere Haltung aufbauen kannst und souverän und authentisch wirst. Das hilft nicht nur bei Hunden, sondern auch im Beruf oder im Alltag.

Wie lange dauert es, bis mein Hund sein Problemverhalten (pöbeln an der Leine, winseln, schlechte Leinenführigkeit, ...) abgelegt hat?


Das Ziehen ist nicht nur für den Hundehalter purer Stress. Auch für den Hund ist das ein geistiger und körperlicher Supergau.
Das Ziehen ist nicht nur für den Hundehalter purer Stress. Auch für den Hund ist das ein geistiger und körperlicher Supergau.

Du wirst sehen, dass sich schon im ersten Modul des Intensiv-Coachings wesentliche Veränderungen zeigen und dich der Hund anders wahrnehmen wird. Danach kommt es auch auf Dich an, wie gut du die Übungen in den Alltag integrierst. Wesentliche Veränderungen zeigen sich dann, wenn auch du Deine Sicht auf den Hund veränderst und zum Beispiel vermenschlichte Sichtweisen aufgeben kannst und dich dem Hund gegenüber aus hündischer Sicht fair und souverän verhältst. Dann können Verhaltensänderungen sofort passieren. Grundsätzlich gilt: Will ich das Verhalten meines Hundes verändern muss ich bereit sein, auch mich selbst zu verändern.

Nach unseren drei Modulen hast Du das Handwerkzeug, um Deinen Hund zu orientieren, zu entspannen und mit ihm zu kommunizieren und vor allem eine souveräne innere Haltung aufzubauen, die es deinem Hund leicht macht, Dir freiwillig nachzufolgen. Gerne helfe ich Dir in weiteren Einheiten Deine Kommunikation zu verfeinern.

Wortlose Kommunikation? Wie funktioniert das?


Wir arbeiten ohne Kommandos und machen uns das zu Nutze, was Hunde international und von Natur aus beherrschen: Ihre eigene Muttersprache. Hunde können sowohl hündische Körpersprache perfekt lesen als auch die Körpersprache des Menschen auf sich umlegen. Je mehr wir die hündische Sprache nutzen, desto leichter fällt es dem Hund uns zu verstehen, da er nicht mühsam erst unsere Worte mit (oft leider gegenläufig gezeigten) körpersprachlichen Signalen übersetzen muss.
Um einen Hund zu bewegen, benötigen wir keine Lockmittel sondern nur unsere innere Haltung, unsere Körpersprache und unsere Blicke. Möchte ich beispielsweise, dass mir ein Hund nachfolgt, werde ich ihm kurz freundlich in die Augen schauen, mich etwas kleiner machen und ihn mit einer einladenden Geste und ein paar Schritten rückwärts zu mir holen oder ihn mit meiner Schulter mitnehmen. Genauso einfach kann ich mit meiner Haltung und meinem Blick einem Hund vermitteln, dass er stehenbleiben oder etwas zurücktreten soll.

Wir fügen zu unserer Kommunikation mit dem Hund noch einen Laut hinzu, damit wir ihm auch auf Distanz ohne Leine vermitteln können, dass er zum Beispiel eine für ihn gefährliche Handlung abbrechen soll. Damit können wir ihm verständlich machen, wie groß sein Bewegungsradius ist, dass er keine Giftköder vom Boden fressen soll oder dass er sich zum Beispiel um andere Hunde, Jogger, Kinder, ... im Moment nicht zu kümmern braucht.

Wie werden Hunde trotz wortloser Kommunikation gelobt?


Lob ist etwas sehr menschliches, und um gewisse Energien aussenden zu können, brauchen wir Menschen die Sprache als Träger. Wenn ich Dir sagen würde, lobe Deinen Hund nicht mehr verbal, dann wirst Du vielleicht nicht mehr authentisch sein können. Wenn Dein Hund nun in einem ruhigen Zustand ist und Du möchtest das ruhig und freundlich bestätigen, ist das in Ordnung und unterstützt Deine Energie. Aber ein aufputschendes Lob mit hoher Stimme bringt Deinen Hund wieder dorthin, wo Du ihn nicht haben willst, nämlich in die Unruhe und in eine Vorwärtsbewegung, was bei der Leinenführungs-Übung kontraproduktiv wäre.
Grundsätzlich: Hunde unter sich loben nicht explizit. Sie denken da etwas anders, um nicht zu sagen "klarer". Etwas gut und richtig zu machen, ist zum Beispiel in einem Hunderudel selbstverständlich, denn darauf zielt die innerartliche Erziehung ab.

Wir Menschen verbinden Lob meistens mit Leckerlis, einer überschwänglichen Wortsalve oder wuscheln dem Hund durch das Fell. Auf den Hund wirkt das oft eher befremdlich (wenn man seine Körpersprache lesen kann), noch dazu wenn das Timing nicht stimmt oder eine Überkopf-Haltung eingenommen wird. Oder es putscht ihn hoch und er verliert dadurch seine Mitte und Konzentration.

Davon abgesehen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, einen Hund ein positives Feedback und Zuneigung zu zeigen und das ist auch wichtig. Man kann dazu beitragen, dass alle seine Bedürfnisse gestillt sind. Man kann eine entspannte Stimmung ausstrahlen indem man lächelt und authentisch ist. Man kann ihm Nähe geben und liebevoll über die Lefzen streichen oder ihn beruhigend massieren oder mit dem Handrücken kurz ruhig in Wuchsrichtung über das Fell streichen. Man kann auch ein kurzes Spiel inszenieren, Freiraum geben oder auch mal stimmlich einen angenehmen, positiven Laut als Feedback geben, der ihn nicht aus dem Tritt bringt oder hochpusht.

Was bedeutet "Raumverwaltung"?


Vereinfacht gesagt: Hunde unter sich nehmen ganz selbstverständlich freiliegende Räume und Ressourcen ein, bis ein anderer eine Grenze setzt und sagt: "Hier beginnt mein Raum". Hunde unter sich zeigen dem anderen also, was NICHT geht. Das wird unter Hunden in der Regel nicht aggressiv oder gar laut sondern mit klarer Körpersprache und innerer Haltung geregelt.
Wenn wir mit Hunden kommunizieren wollen, dann müssen wir uns auf ihre Weltsicht einlassen, also verstehen, wie wichtig Raum für sie ist. Mit Raum ist nicht explizit ein Zimmer gemeint, sondern der gesamte Bereich um sie herum. Wenn ich meinem Hund also alles überlasse und er alles ohne Absprache (Blick) betreten darf, dann wird er diese Räume auch für sich beanspruchen. Bei Hunden, die stark in der Leine hängen, mit der Verwaltung dieser Räume überfordert sind, aggressiv auf Menschen oder Artgenossen reagieren, gestresst oder unsicher sind, sollte man dieses Thema genauer betrachten.

Warum ist Ruhe so wichtig?


Hunde haben ein noch viel größeres Bedürfnis nach Ruhe und Ausgeglichenheit als wir Menschen. Betrachtet man die soziale Interaktion zB. in einer Hundefreilaufzone, kann man gut beobachten, wie sehr Hunde mit einem hohen Energielevel von anderen Hunden erst zur Ruhe gebracht werden, bevor sie Räume einnehmen dürfen oder in eine Gruppe integriert werden. Was von uns oft aggressiv, kämpferisch oder gar als Spiel wahrgenommen wird, ist ein natürlicher Weg, das Energielevel des Neuankömmlings an eine Gruppe anzugleichen und Höflichkeit und Respekt einzufordern. Dabei werden aufgeregte Hunde zB. von einem oder mehreren Hunden im Rennen begrenzt und abgestoppt. Auch wir als Halter haben die Verpflichtung unsere Hunde zur Ruhe bringen zu können. Einerseits aus gesundheitlichen Gründen: Sehr aufgedrehte Hunde erleben Dauer-Stress. Das verkürzt auf Dauer ihr Leben und fördert Krankheiten. Andererseits können ausgeglichene Hunde soziale Kontakte (zu Mensch und Tier) höflicher und ohne Zwischenfälle wahrnehmen. Der wichtigste Grund ist für uns aber, dass sich Hunde mit einer ruhigen Haltung besser orientieren können, aufmerksamer sind und viel leichter kommunizieren können.

Warum soll ich meinen Hund in stressigen Hundebegegnungen nicht ablenken zb. durch Spielzeug oder Futter?


Wenn Du Deinen Hund in einer stressigen Situation (also Situationen, in denen bereits eine Erregung mit einer Hormonausschüttung stattgefunden hat) mit einem Spielzeug oder Futter ablenkst, verstärkst Du diesen Zustand. Dein Hund wird zukünftig anstreben diesen erregten Zustand mit der Futterbelohnung immer wieder zu erreichen. Nach Aussen hin kann die Ablenkung zwar wirkungsvoll erscheinen, aber der innerliche Erregungszustand wird bleiben, da Hormone bereits im Organismus zirkulieren und erst abgebaut werden müssen. Der Abbauprozess zehrt an den Ressourcen (Vitamin- und Mineralstoffhaushalt) des Hundekörpers, die – wenn man sie nach den Abbau nicht ausgleicht – sogar zu Mangelzuständen und auf Dauer zu Schädigungen führen können (Knorpelabbau, neurologische Störungen, schlechtere Sicht, Osteoporose, ...). Generell gilt – bei Mensch wie Hund – Dauerstress zu vermeiden.

Warum ist mein Blick so wichtig in der Kommunikation?


Wenn Du Deinen Hund ansiehst, dann bedeutet das für Deinen Hund etwas. Es ist eine Ankündigung für eine Aktion, gleichzusetzen mit "Hallo, ich spreche mit Dir, hör mir zu ...". Wenn Du nun Deinem Hund häufig direkt ansiehst erwartet er zB. eine darauf folgende Handlung. Wenn Du aber keine weitere Aktion setzt, dann wird Dein Hund irgendwann nicht mehr auf diese Ankündigung reagieren. Wenn Du im Training schon etwas fortgeschritten bist, wirst Du merken, dass gut positionierte Blicke reichen können, um Deinen Hund zu stoppen, herzuholen oder an einen gewissen Ort zu schicken. Denn Hunde kommunizieren sehr stark über ihre Mimik. Das können wir uns abschauen und in der Kommunikation mit unserem Hund anwenden.

Konsequenz oder Beharrlichkeit?


Konsequenz (also immer gleiche Reaktionen auf gewisse Handlung) gibt es in der Hundesprache nicht. Sie reagieren immer situationsbedingt und im Moment. Aber sie sind beharrlich. Das heisst, wenn Hunde eine Entscheidung getroffen haben, dann setzen sie das untereinander auch durch. Das können wir uns abschauen. Daher ist es egal, ob der Hund einmal auf die Couch darf und ein anderes Mal nicht. Aber wenn Du es in dem Moment nicht willst, dann setz diese Entscheidung auch durch und führe ihn runter.

Wenn sich die Sicht des Hundes ändert ...


Nach dem ersten Coaching-Modul bekomme ich Rückmeldungen, wie: "Juhuuu, es funktioniert!!!" oder "Mein Hund schaut mich ganz anders an" oder aber auch "mein Hund ist irgendwie zurückhaltend. Mag er mich noch?". JA! Denn wenn wir die Rollen tauschen und uns plötzlich aktiv in das Blickfeld des Hundes schieben und mit unserer klaren Energie präsent werden, wird dieser sich erst mal über die neue Situation wundern und höflicher agieren. Wichtig ist dabei, dass wir liebevoll und ruhig bleiben und die Rolle eines wohlgesonnenen Entscheiders einnehmen. Das ist eine Position mit viel Verantwortung, die uns im ersten Moment auch selbst verunsichern kann, weil wir ja erst die ersten Vokabeln für die gemeinsame Kommunikation lernen. Nach und nach fügen sich dann die Puzzle-Steinchen zusammen und es wird von Tag zu Tag harmonischer, leiser, inniger und persönlicher. Vorgezeichnete Wege gibt es auf diesem Weg dann nicht mehr, weil sich jede Beziehung einzigartig gestaltet. Dieser Weg ist ein Weg der Liebe, der aktiven Beziehungsgestaltung und des Vertrauens, der sich jeden Tag ein Stück weiterentwickelt. Der beste Wegweiser auf diesem neuen Weg ist das eigene Bauchgefühl.

Warum muss ich Ursachenforschung und nicht Symptombehandlung bei Problemverhalten im Alltag machen?


Ein Problemverhalten tritt meistens nicht grundlos auf. Meistens hat man den Fokus so stark auf eine einzige Baustelle gerichtet (Bellen, Pöbeln, Leine-ziehen, ...), dass einem die Ursachen nicht auffallen. Überprüfe zunächst, ob er in anderen Situationen überhaupt verlässlich ansprechbar ist, wenn Du seinen Namens sagst. Kommt er verlässlich zu Dir oder musst Du den Namen mehrmals wiederholen? Wie oft sagst Du NEIN bevor der Hund die Nase vom Tisch nimmt? Hast Du – aus Sicht des Hundes – überhaupt das Recht oder den Status ihm zu sagen, ob er etwas darf oder nicht? Oft entschuldigen wir das Verhalten des Hundes in kleinen Alltagssituationen oder sind bei Entscheidungen nicht beharrlich genug. Und das hat nichts mit Schimpfen, laut werden oder einem Leinenruck zu tun sondern mit der Klarheit und Deutlichkeit unserer Forderung. Versteht mein Hund überhaupt, was ich von ihm will? Ist für uns selbst unsere Entscheidung so wichtig, dass ich das meinem Hund auch vermitteln kann? Ein Hund kann diese feinen Nuancen unterscheiden. Beobachte Dich einmal selbst, ob Du Deiner Ansage selbst trauen würdest?

Weiters solltest Du beobachten, wann das Energielevel Deines Hundes steigt und wie Du selbst darauf reagierst. Wie aufgeregt ist der Hund, wenn er aus dem Auto steigt oder wenn Du den Karabiner von der Leine klickst? Hunde machen unpassende Dinge aus der Erregung heraus. Unser Problem ist häufig, dass wir nicht erkennen, wann das Energielevel unseres Hundes steigt oder Ausreden dafür finden ("er muss so dringend", "die Gegend ist ihm unbekannt", "er liebt fremde Hunde", ...).
Das heisst nicht, dass Hunde nicht aufgeregt sein dürfen, rumrennen oder rumkaspern dürfen. Nein! Aber in solchen Situationen solltest Du die Möglichkeit haben, das Energielevel Deines Hund runter zu fahren und jeder Zeit Zugriff auf Deinen Hund zu haben. Das geht nur dann, wenn man auch in belanglosen Situationen immer wieder Ruhe einfordert.

Wie bringe ich meinem Hund körpersprachlich und ohne Leckerli bei zu mir zu kommen?


Du musst Deinem Hund in dem Sinn gar nichts beibringen. Denn er kann das schon auf ganz natürliche Weise. Schaut der Hund zu mir, hocke ich mich etwas seitlich hin, mache mich kleiner und breite mit freundlichem Gesicht die Arme aus, als wenn ich ein Kind liebevoll einladen wollte in meine Arme zu kommen. Achte darauf, dass Du Dich nicht vorne über beugst, sondern den Oberkörper aufrecht hältst oder sogar etwas nach hinten lehnst. Jeder Hund auf dieser Welt wird diese Körpersprache verstehen. Wenn nun der Hund auf Dich freudig zukommt, sagst Du seinen Namen oder schnalzt mit der Zunge. Damit verbindest Du die Vorwärtsbewegung mit dem Laut. Ist der Hund bei Dir angekommen schaust vor Dir auf den Boden oder drehst den Kopf höflich etwas zur Seite. Du willst, dass Dein Hund stehen bleibt und Dich wahrnimmt, also begrenze ihn dabei körperlich, sonst läuft er weiter. Die Begrenzung sollte so deutlich sein, dass Du danach die Hände wegnehmen kannst und er bei Dir bleibt. Dann streichle Deinen Hund kurz und beruhigend da, wo er es gerne hat (zb. hinter den Ohren, an der Schwanzwurzel, am Bauch, ...). Wuschle ihm dabei nicht aufgeregt durchs Fell sondern streiche ihn aus und baue damit die Energie seiner Vorwärtsbewegung ab.

Indem Du einen Schritt in Deine Geh-Richtung machst, gibst Du ihn wieder frei und er kann weiter seine Geschäfte machen. 

Wie nimmt ein Hund eigentlich seine Umwelt wahr?


Wird ein Welpe geboren ist das erste aktive Sinnesorgan die Nase, der Tastsinn und die Empfindung für die Energie seiner Umwelt. Später öffnen sich die Augen und danach die Ohren. Das bedeutet, dass der Hund auch später in dieser Prioritätskette seine Umwelt wahrnimmt.

Trifft ein Hund auf einen Hund nimmt er folgende Kriterien prioritär wahr: Die Ausstrahlung, Energie (aufgeregt, ruhig, ...), Geruch, es ist ein Tier, es ist ein Artgenosse, das Geschlecht, auffällige Merkmale (Rassemerkmale zB. Ridge am Rücken des Ridgebacks, hoher Wolfspitz-Ringelschwanz, steifer Terrier-Gang, Behinderung ... all das kann die Kommunikation beeinflussen). Unwichtig für den Hund ist der Name des Gegenübers oder die Charakterisierung durch den Hundehalter (zB. Tut-Nix! Eh lieb! Dominant!).

Hunde sehen nicht schlechter als wir Menschen, die sehen einfach anders:

Hunde sehen im Nahbereich unscharf und erst etwa ab 0,5 Meter scharf

Bei vollem Tageslicht sehen sie eher schlecht

Das Farbsehen von Hunden ist eingeschränkt

Die räumliche Auflösung ist gering und somit grobkörnig

Im Dämmerlicht sind uns Hunde weit überlegen

Hunde verfügen über ein breites Gesichtsfeld von etwa 240° Grad mit einer 60° Grad Tiefenwahrnehmung

Im Training bedeutet das für dich konkret, dass du Reize besser bewegt einsetzt, da dein Hund diese besser wahrnehmen wird. Arbeite mehr mit Hell-Dunkel-Kontrasten anstatt mit Farben und wenn du dich bei Spielzeug etc. für eine Farbe entscheidest, dann wähle definitiv Blau.